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Erdrutsch! AfD erobert 95 Prozent der Wahlsendungen

BERLIN. Mit einer schnellen Programmreform hat das deutsche Fernsehen auf den Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag reagiert: 95 Prozent der Sendezeit wurden der bisher weitgehend unbekannten Splitterpartei eingeräumt.

Damit sollten die „Meinungsvielfalt“ sowie die „Markenbildung“ der noch recht orientierungslos wirkenden Nachwuchspolitiker unterstützt werden, erklärten die Leiter der großen Wahlsendungen unisono am Morgen des 25. September.

Um den Neulingen mehr Raum für ihre originellen Theorien zu geben, habe man Aussagen anderer Politiker drastisch kürzen müssen, so Peter Frey (ZDF). Dazu gehöre beispielsweise der Nachsatz von SPD-Spitzenkandidat Schulz in der „Berliner Runde“: „Wir gehen in die Opposition – wo ist die nochmal?“

Auch ARD-Talker Frank Plasberg gab sich selbstkritisch: „Wir haben der AfD bisher zu wenig Redezeit eingeräumt. 87 Prozent der Wähler können während meiner Sendung ja auch was anderes machen, zum Beispiel Flüchtlingen helfen.“

Verneint wurden Pläne, auch den Rest des Programms der gewachsenen Wählerschaft der Rechten anzupassen. Projekte wie „Schloss Storch“ (ki.ka) über ein trostloses Internat oder ein „Tatort Sächsische Schweiz“ seien reine Fiktion.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland zeigte sich dennoch erfreut über die große mediale Aufmerksamkeit, die seiner Partei entgegengebracht werde:

„Wir haben zwar kein Programm, aber wir werden Themen setzen, auf die niemand sonst ernsthaft käme“, so Gauland. „Wir wollen wieder stolz sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Angriffskriegen und auf Krawatten mit Hunden drauf.“

(c) Sebastian Andrae

Sebastian Andrae